Radfahren und Wandern

Wandern im Wiehengebirge

Wittekindsweg

witte Weite Blicke - Im Hintergrund der Teutoburger Wald (© ug 2025-11)

Auf dem Wittekindsweg von der Reineburg zur Babilonie

Nach dem Aufstieg über den schattigen und dunklen Nordhang werden wir überwältigt von der Schönheit der Landschaft, die sich unter uns ausbreitet. Oben auf fast 300 Metern Höhe liegt Schnee, im Tal leuchten grüne Wiesen und Felder. Im Süden liegt Hochnebel wie eine Bettdecke über der Landschaft.
Mit so einer herrlichen Aussicht hatten wir nicht gerechnet. Doch Wetterlage und Borkenkäfer haben dazu beigetragen, dass man weit über das Tal der Werre schauen kann. Auf der anderen Seite des Tales ragen nur die Spitzen der Berge des Teutoburger Waldes aus den Wolken, ein Panorama fast wie im Hochgebirge.

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Über den Reineberg zum Wittekindsweg
Wir starten in der Altstadt vom Parkplatz an der Königsmühle, der gut von der B239 erreichbar ist, die wir dann auch wieder überqueren müssen, wenn wir in die Bergwildnis hinein wollen. Nachdem wir die letzten Häuser hinter uns gelassen haben, ragt auf einmal der Reineberg steil vor uns auf. Wir müsen zwar auch ordentlich bergauf steigen, jedenfalls, wenn wir diesen direkten Weg nehmen, doch auf die Höhe des Reineberges müssen wir nicht ganz. Vorher biegen wir dann doch ab und arbeiten uns langsam höher, bis wir die andere Seite des Wiehengebirges erreicht haben.

    Burg Reineberg oder Reineburg  (wikipedia)
    Oben auf dem Reineberg in etwa 275 Meter Höhe thronte früher einmal eine der fünf Burgen, mit denen das Fürstbistum Minden seinen Herrschaftsbereich abgesichert hatte. Die anderen Burgen waren Petershagen, Schlüsselburg, Rahden und die Schalksburg.
    1723 beendete ein Befehl des preußischen Königs die wechselvolle Geschichte dieser einst bedeutenden Burg. Sie wurde schlicht und einfach wegen Baufälligkeit abgebrochen. So zeugt nur noch der 310 Meter lange und bis zu 22 Meter breite Burggraben von der Größe der Burg.

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Vor uns quert eine Brücke die B239, die hier den Berg durchschneidet. Wir laufen nun wieder bergab. Dafür dürfen wir auf der anderen Seite erneut ordentlich klettern, denn wir nehmen den direkten Pfad hinauf zum Wittekindsweg. Es wird zunehmend weißer. Auf der Höhe liegt doch tatsächlich Schnee, nicht viel, aber er zaubert dennoch eine Winterlandschaft herbei. Im Tal dafür alles grün und braun, Wiesen und Äcker ohne Schnee. Auf der anederen Seite staut sich eine Nebelbank von niedrigen Schichtwolken vor dem Teutoburger Wald. Nur die Spitzen der gegenüber liegenden Berge ragen aus dem Nebelmeer, ein wenig Hochgebirgs-Feeling!
Die gute Sicht in's Tal verdanken wir dem Borkenkäfer, auch Buchdrucker genannt, weil seine Fraßspuren unter der Rinde an bedruckte Buchseiten erinnern. Aus dem frischen Unterholz ragen die weiß gebleichten Stümpfe der einst mächtigen Tannen, die hier vor wenigen Jahrewn noch den Berg verdunkelt haben. Das Ganze wirkt wie ein Riesen-Friedhof, erschreckend und faszinierend zugleich. Es gibt ein Aufforstungesprogramm. Endlich hat man erkannt, dass man mit Monokulturen nicht weiter kommt in der Waldbewirtschaftung. Das Programm sieht eine Mischbepflanzung vor in verstreuten Bauminseln. In den Flächen dazwischen lässt man den Wald sich selbst regenerieren.

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Die Kahle Wart wartet auf uns
Nachdem wir ein gutes Stück auf der Höhe mit herrlichen Aussichten hinter uns haben, tauchen wir wieder ein in bewaldetere Flächen. Die Sonne zaubert winterliches Gegenlicht und lässt das feine Geäst leuchten. Am Struberg haben wir mit fast 300 Metern den höchsten Punkt unserer Wanderung erreicht. Durch den Wald bewegen wir uns auf den steilen Südhang zu und treffen dort auf die Freilichtbühne Kahle Wart. Es gibt einen schmalen Pfad um das Gelände herum, notwendig im Sommer, wenn hier Aufführungen stattfinden. Jetzt zur Winterszeit können wir uns frei bewegen und die Bühne mit ihren malerisch im Rund angeordneten Fachwerkhäusern bewundern. Die Anlage ist einem Dorfplatz nachempfunden, es könnte auch ein mittelalterlicher Marktplatz sein.
Am unteren Kassenhaus verlassen wir die Freilichtbühne wieder und steigen hinab zur Kahle-Wart-Straße (K41), die vor uns das Gebirge durchschneidet. Wie schön, wir sind unten angekommen 60 Meter abgestiegen und müssen nun 50 Meter wieder hinauf, für Alpinisten lachhaft, doch für uns Flachländler ein ordentliches Stück. Doch erstens wollen wir nicht an einer Straße entlang laufen, und zum anderen wartet noch die Babilonie auf uns. Also los, auffi geht's.

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Zur Babilonie
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Die Babilonie  (wikipedia)
Bei der Babylonie handelt es sich um eine Wallburg, deren Anfänge in der vorrömischen Eisenzeit liegen. Diese Wallburg wurde auf einer ca. 255 Meter hohen, außergewöhnlich gut gegeigneten Bergkuppe angelegt, auf der außerdem eine weit oben entspringende Quelle für die Versorgung mit Wasser sorgte.
Zu dem ersten Wall kamen später weitere Schutzwälle mit vorgelagerten Gräben hinzu. Die Wallburgen verloren im Mittelalter ihre Bedeutung und wurden von steinernen Burgen abgelöst.

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Rückweg auf Arminius' Spuren
Nachdem wir die Berge verlassen haben, folgen wir zeitweise dem Arminiusweg, einem Fernwanderweg der von Bramsche bis zur Porta Westfalica überwiegend auf der Nordseite des Wiehengebirges entlang verläuft.
Vom weiteren Rückweg gibt es nicht so viel zu berichten. Wir genießen die Aussicht nach Norden mit dem Stemweder Berg im Hintergrund, bis wir hinter dem Krankenhaus wieder im Wald verschwinden. Es dauert nicht lange, deann lassen wir den Wald hinter uns. Wir haben die Ausläufer Lübbeckes erreicht.

An einem schmalen Park und einigen Häusern vorbei stoßen wir wieder auf den Parkplatz Königsmühle. Allerdings lassen wir das Auto noch eine Weile dort stehen und wenden uns der Innenstadt zu. Der Magen meldet sich und möchte ein wenig gefüllt werden. Da wir schon immer mal dort einkehren wollten, wenden wir uns Vine's Café zu und ergattern noch ein Plätzchen für zwei. Dann heißt es Abschied nehmen von dieser einstmals schönen Stadt, die so viel von ihrem Charme durch Kriegszerstörungen und durch den Modernisierungswahn der Siebziger Jahre verloren hat.

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Fazit
Auch wenn man Lübbecke die jahrhuinderte alte Geschichte kaum noch ansieht, es lohnt dennoch, einmal durch die Innenstadt zu bummeln und sich die Reste der Altstadt und der Burg anzuschauen. Und von welcher Stadt in Norddeutschland kann man mit wenigen Schritten ein Mittelgebirge erklimmen?

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ug 2025-11-19

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